HIlfe, Hilfe, Hilfe! Er lehnt meinen Sohn ab

Hallo zusammen

Ich bin sehr verzweifelt und weiß nicht mehr ein noch aus.
Ich bin Mutter zweier Kinder, eine Tochter 10 und einen Sohn 12. Seit 5 Jahren habe ich eine Beziehung zu einem Mann, der mich zwar sehr liebt, aber Probleme mit der Akzeptanz meiner Kinder hat. Da wir bislang eher autark gelebt haben (getrennte Wohnungen, eigene Freundeskreise etc.) konnten wir uns einigermaßen arrangieren. Mein Freund kam von Anfang an nicht mit meinen Kindern Zurecht, aber wir haben uns eher still darauf geeinigt viel Zeit miteinander zu verbringen wenn die Kinder bei ihrem Vater waren. So kam es zu wenigen Überschneidungen mit ihm und den Kindern. Im Laufe der Zeit haben wir aber immer wieder versucht auch zu viert zu funktionieren. Das klappte mal besser und mal schlechter. Mein Freund wollte immer mehr von mir und wollte mehr Zeit mit mir/uns verbringen. Er gab sich zwischenzeitlich sehr viel Mühe mit den Kindern.
Vor einem halben Jahr habe ich mich von ihm dazu überreden lassen zusammen zu ziehen. Seitdem klappt es gar nicht mehr. Mit meiner Tochter kommt er zwar mittlerweile ganz gut zurecht, mit meinem Sohn aber gar nicht. Ja mein Sohn ist nicht ganz unkompliziert und kann einem manchmal tatsächlich ganz schön auf die Nerven gehen, auch mir. Ich habe also durchaus Verständnis dafür, wenn mein Freund sich über meinen Sohn beklagt. Allerdings ist die Art und Weise für mich nicht zu verstehen und verletzt mich zutiefst. Er setzt sich nicht mit dem Auseinader, er kommt zu mir und „petzt“ und erwartet dass ich nun für ihn Partei ergreife und meinen Sohn maßregele. Ich habe meinen Freund gebeten sich damit Auseinader zu setzen, Beispielsweise meinen Sohn einfach in dem Moment in seine Schranken zu weisen, wenn er sich „daneben“ benimmt. Aber dazu hat mein Freund keine Lust, er sagt, er wäre dann einfach froh „sein dummes Gesicht“ nicht sehen zu müssen. Mein Freund betitelt die Kinder gern als „Gören“ oder nennt meinen Sohn „Der da“ oder Rotzlöffel. In den seltensten Fällen nennt er ihn beim Namen. Er schikaniert ihn ständig, indem er ihm immer wieder neue Aufgaben im Haushalt zuweist und ihn kaum zur Ruhe kommen lässt. Wann immer etwas in unserer Wohnung abhanden kommt oder zu Bruch geht, behauptet er, es sei mein Sohn gewesen. Er verdreht die Augen wenn mein Sohn etwas erzählt und macht ihn gern mal lächerlich. Die bloße Anwesenheit meines Sohnes scheint ihn zu nerven. Mein Sohn selber spürt die Abneigung und zieht sich immer mehr zurück. Er sucht die Schuld bei sich, er ist im Gegensatz zu meiner Tochter ohnehin nicht gerade mit einem hohen Selbstbewusstsein gesegnet.
Ich habe versucht mit meinem Freund darüber zu sprechen. Auch gemeinsam mit meinem Sohn der ihm erklärte dass er sich ausgegrenzt und nicht willkommen fühlt. Für den Augenblick ist mein Freund scheinbar einsichtig und entschuldigt sich für sein Benehmen und verspricht Besserung. Diese tritt allerdings nicht ein. Ich selber habe schon 1000fach mit ihm gestritten und ihm versucht klar zu machen wie verletzend das für uns ist. Aber es scheint alles nur sehr kurzfristig etwas zu ändern.
Ich verstehe sehr wohl dass es schwer ist für einen fremden Mann die Kinder der Partnerin zu akzeptieren und ich verstehe auch dass mein Sohn sich oft benimmt dass man aus der Fassung geraten kann, aber eben nicht anders als viele andere Kinder es auch tun ( verliert Sachen, macht manchmal seine Hausaufgaben nicht, ist manchmal faul, und fragt häufig scheinbar überflüssige Fragen, “was machst du da?“ wenn man beispielsweise gerade ein Buch liest). Aber das sind doch alles keine Gründe so herablassend mit ihm umzugehen und ihn so sehr abzulehnen. Ich habe das Gefühl einen Spagat zwischen meinem Sohn und meinem Freund machen zu müssen. Ich will meinen Freund verstehen und ihn nicht für alles verantwortlich machen, aber ich kann nicht länger mit ansehen wie er meinen Sohn behandelt. Ich denke dass mein Sohn mittlerweile schon sehr unter dieser Ausgrenzung leidet und viele seiner „nervenden“ Angewohnheiten auch im Zusammenhang mit der Ablehnung stehen.
Mir gegenüber ist mein Freund ein sehr aufmerksamer und liebevoller Mann, und mit meiner Tochter geht er geduldig und liebevoll um. Was ist da los? Was kann ich tun? Wie kann man diese Situation entschärfen? Wer kennt ähnliche Probleme und kann mir einen Rat geben?

Partner lehnt Kind ab

Hallo "wünschdirwas",

wenn dein Partner deinen Sohn so behandelt, dann RAUS mit ihm!!!! Trenn dich, denn sonst wird dein Sohn einen Schaden davon tragen! Diese Behandlung ist unwürdig und gemein!
Dein armer Sohn!

Ich wünsch dir alles Gute, viel Kraft und Weisheit!

Die Gesegnete!

Ich habe gerade deinen

Ich habe gerade deinen Bericht gelesen, wie ist es euch denn inzwischen ergangen? Als ich das gelesen habe, dachte ich, du schreibst von uns. Es ist einfach den Kommentar zu schreiben, dass man sich trennen soll, das ist für mich keine Lösung. Ich bin ein positiv denkender Mensch und hoffe, dass man das Problem auch anders lösen kann. Hast du schon mal daran gedacht, dir professionelle Hilfe zu holen? Ich habe am Mittwoch mit meinem Freund zusammen einen Termin bei einem Psychologen und erhoffe mir auf diesem Wege Hilfe.

Ich kenne deine Gefühle so gut, diese Verletztheit, es tut so weh. Man liebt seinen Partner, man liebt aber auch seinen Sohn und steht genau zwischendrin, kann einfach nicht verstehen, wie jemand so ekelhaft sein kann. Bei uns stimmt ansonsten wirklich alles, nur dieses eine Thema nicht. Mein Sohn wohnt auch nicht mehr zuhause, er ist behindert und nur alle 14 Tage am Wochenende bei uns, aber diese Wochenenden sind einfach nur der Horror. Der Psychologe ist der von dem Wohnheim wo mein Sohn wohnt und er kennt ihn auch gut. Ich hoffe so sehr, dass er uns helfen kann. Meinst du es ist Eifersucht, was unsere Partner so handeln lässt? Laut meinem Freund ist es das nicht. Er wirft meinem Sohn Dinge vor, die er selbst nicht einhält, z.B. ist er nicht gerade der Ordentlichste, lässt überall seinen Kram rumliegen und greift meinen Sohn total an, wenn er mal etwas irgendwo liegen lässt.

Ich kann dich sehr sehr sehr gut verstehen, leider scheinen wir kein Einzelfall zu sein.

Ich wünsche dir und mir, dass sich diese unhaltbare Situation ins Positive ändern lässt.

Ganz liebe Grüße

Kristina

Das fremde Kind

Einserseits gut zu hören, dass ich mit meinem Problem nicht alleine da stehe, aber auf der anderen Seite traurig, dass es so ist. Ich kann Euch beide sehr gut verstehen. Wir sind Mütter und würden alles für unsere Kinder tun, sie bis zum Letzten Verteidigen, was ja auch so sein soll, sie brauchen uns.

Kristina, mich würde es interessieren, wie Dein Partner darauf reagiert hat, als Du ihm angeboten hast einen Gesprächstermin beim Psychologen zu vereinbaren. Wie ist das Gespräch verlaufen? Ich hatte auch schon mit dem Gedanken gespielt.

Ich bin zur Zeit ziemlich ratlos, da mein Partner meinen Sohn ständig wegen irgendetwas anfährt und immer wieder etwas hervorbringt. Ständig dreht sich das Thema um die Essmanieren (mein Sohn hat eine Behinderung, die sich auf die Feinmotorik auswirkt). Ich bin der Überzeugung, er hat sich in den letzten Monaten gesteigert, mein Freund behauptet es interessiert meinen Sohn nicht im geringsten. Sogar dem leiblichen Vater meines Sohnes ist es aufgefallen, dass er sich beim Essen verbessert hat. Klar gibt es noch handlungsbedarf, aber es ist nicht aussichtslos und der Kleine (14 Jahre) bemüht sich und fragt mich, ob er sich gebessert hat.
Das macht mich traurig, dass die Esskultur aus meiner Sicht von meinem Partner vorgeschoben wird für unausgesprochene Probleme. Es kann nicht der Ganze Streß vom Essen her rühren.
Jede gemeinsame Mahlzeit ist für mich bereits Streß.

Traurig macht es mich, dass Leistungen, die mein Sohn erbringt nicht gewürdigt werden. Ich kenne es aus meiner Familie, dass man sich gemeinsam über Erfolge freut, dass war in der Familie meines Freundes nicht unbedingt der Fall, denn es gab ja noch immer jemanden, der in der Klasse besser war, also waren die eigenen Leistungen noch nicht lobenswert...... Um ein Gefühl für die unterschiedliche Erziehung zu geben.

Seine Tochte (10 Jahre) lebt nicht bei uns, ist nur in den Ferien da. Ich versuche sie genauso zu behandeln und mit Aufmerksamkeit zu bedenken, wie ich es mit meinem Sohn mache, doch mein Partner nimmt sie total für sich ein und mein Sohn und ich werden, so fühle ich mich, für diese Zeit weit in die hinterste Reihe geschoben.
Mein Sohn wird dann zur Kenntnis genommen, wenn es sich anbietet in anzuraunzen wegen irgendetwas, die Kleine wird umtüttelt ohne Ende und alles gutmütig belächelt ohne Konsequenzen und ehrlich, ich als Mutter hätte ihr hier und da schon mal ihr ihre Grenzen aufgezeigt.
Das sieht natürlich auch mein Sohn, dass er sich beim Essen ordentlich benehmen muss und die Kleine rumsauen darf, wo mir schon die Hutkrempe hoch geht, weil es mutmilliges rummantschen ist, während es bei meinem Sohn bedingt durch die Behinderung Mißgeschicke sind. Aber ein Vergleich darf nie gemacht werden, dass macht mich wütend und traurig. Auch von 10jährigen kann bereits Tischmanieren erwarten, die ein 14jähriger erfüllen muss.

Wie gesagt, ich sehe es als vorgeschobenes Argument seinerseits, dass zur Zeit jedoch sehr zu eskallieren droht.

Wir waren gerade zu viert im Urlaub und es hat fürchterlich gekracht.
Einem Gespräch gegenüber verschließt er sich und kommt zeitverzögert auf mich zu, um mir seine Argumente mitzuteilen, geht dann aber wieder sofort zur Tagesordnung über und ich fühle mich wütend, leer. Ich habe ihm zugehört, ohne ihn zu unterbrechen und ohne dagegen zu argumentieren, aber anschließend durfte ich meine Argumente nicht vorbringen.

Ich bin wütend, wenn er sich das Recht heraus nimmt anderen gegenüber in der Form zu reden, dass er meinen Sohn für einen "geistigen Flachflieger" hält und seine Tochter als den intelligentesten und aufgewecktesten Engel auf Erden beschreibt. Ich habe nichts dagegen, dass er solch eine hohe Meinung von seiner Tochter hat, doch sollte er es unterlassen, so von meinem Sohn zu sprechen. Mir würde es nie im Traum einfallen mich so herablassend über seine Tochter zu äussern. Es ist verständlich, dass die eigenen Kinder immer die Schönsten, Klügsten und Besten sind, so soll es sein.

Sind wir alleine, alles läuft wunderbar, dass macht mich so endlos traurig, dass wir kein Dreiergespann bilden können. Ich komme mir vor, als wenn wir auf einer Linie stehen und ich in dessen Mitte und ich mich immer um 180 Grad drehen muss, damit ich jedem einzelnen ansprechen kann. Warum stehen wir nicht gemeinsam in einem Kreis und schauen und gegenseitig an?

Wie kann man erfolgreich eine zufällig zusammengewürfelte Gruppe von Erwachsenen und Kindern zu einer Einheit formen?

Kristina, lass es mich bitte wissen, wie ihr vorgegangen seid, wie Euer Gespräch ablief. Hast Du Dich an irgendeinen Psychologen gewandt oder gibt es besondere Beratungsstellen? Habt Ihr zuerst ein Einzelgespräch geführt?

Ganz liebe Grüße!

Lisa