Stieffamilien.de Rundbrief

Rundbrief 3-2009

Rundbrief 3-2009

Der Wunsch vieler Stief- bzw. Patchworkfamilien, nach einer Trennung oder Scheidung wieder eine ganz „normale Familie“ zu sein, ist groß. Insbesondere in der Startphase übersehen Paare die neue Familienstruktur, die anders ist als in der früheren Familie. Es kommt zu vielfältigen Problemen, z. B. zwischen den Kindern und dem neuen Stiefelternteil, den außerhalb lebenden Elternteilen, den Großeltern u.a.

Rundbrief 2-2009

Rundbrief 2-2009

Anfang Juli veröffentlichte das Statistische Bundesamt wieder die neuesten Daten zur Scheidungsrate im Jahr 2008. Wie nicht anders zu erwarten, stieg die Zahl erneut um 3% im Vergleich zum Vorjahr.  2008 wurden 191 900 Ehen geschieden.

Hinter den abstrakten Zahlen stehen menschliche Schicksale, die in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden. Von den Scheidungen mit betroffen sind viele minderjährige Kinder. 2008 waren es 150 200 minderjährige Kinder. Auch ihre Anzahl ist um 3,6% angestiegen.

Viele Kinder leiden unter der Trennung der Eltern. Sie können schwer nachvollziehen, warum ein Elternteil nicht mehr mit in der gemeinsamen Wohnung lebt und sie den Vater oder die Mutter nur nach Absprache am Wochenende, einmal im Monat oder in den Ferien sehen und besuchen können. Es fällt ihnen schwer nun zwei Zuhause zu haben und einen neuen Partner, eine neue Partnerin an der Seite der Mutter oder des Vaters akzeptieren zu müssen.

Die Trennung oder Scheidung der Eltern stürzt sie in ein Gefühlschaos aus Angst, Wut, Unsicherheit und Aggressivität.

Der nachfolgende Bericht  über ein Gruppenangebot für Kinder und Eltern bei Trennung und Scheidung (TSK) in Rheinland-Pfalz soll Eltern und Kindern Mut machen, sich in dieser Situation Hilfe und Unterstützung zu holen. Sollte es vor Ort noch keine solche TSK-Gruppe geben, fragen Sie gezielt bei Jugendämtern, Beratungsstellen, dem Kinderschutzbund u.a. nach.


Trennungs- und Scheidungskinder (TSK)  - ein Gruppenangebot zur Unterstützung betroffener Kinder und deren Eltern

Das Gruppenangebot  TSK-Gruppe findet in einer mittleren Stadt in Rheinland-Pfalz seit einigen Jahren statt. Es richtet sich an Kinder und Eltern von Trennungsfamilien, sowie neue Partnerinnen und Partner. Bei 12 wöchentlichen Gruppentreffen, Vor- und Nachbereitung dauert das gesamte Projekt ca. 5 - 6 Monate. Die Gruppengröße liegt bei 6 - 7 Kindern im Alter zwischen 8 und 10 Jahren. Zwei systemische Familientherapeutinnen leiten die Gruppe, die von einer Beratungsstelle mit der Unterstützung von Caritas und Jugendämtern ausgerichtet wird.

Das Anmeldeverfahren

Nachdem ein Elternteil Kontakt mit der Beratungsstelle aufgenommen hat, findet ein Aufnahmegespräch statt. Es wird geklärt, ob beide Eltern gemeinsam kommen können, bei Hochstrittigkeit der Eltern werden beide getrennt eingeladen. Unser Konzept ist, beide Eltern kennen zu lernen und etwas über ihre Beziehung zum Kind  und ihre Sichtweisen zur Trennungsgeschichte zu erfahren. Für die Kinder ist es wichtig zu wissen, dass beide Elternteile sie beim Besuch der TSK-Gruppe unterstützen.

Das erste Elterngespräch

In diesem Gespräch schildern die Eltern ihre Sicht der Familien- und Trennungsgeschichte. Sie sollen möglichst auch aus der Sicht ihres Kindes diese Krisenzeit in Bezug auf Belastungen, Veränderungen im Verhalten, Schule, soziale Kontakte, Freizeit und Freunde beschreiben.

Sie werden befragt, welche Wünsche das Kind wohl selbst haben könnte, bzw. sie als Eltern für ihr Kind haben und was am Ende der Gruppenzeit anders sein soll.

Am Schluss erhalten sie noch Informationen über den Ablauf der Gruppenstunden und die Gruppenthemen, den Elternabend und die regelmäßig durchgeführten Mütter- und Vätertreffen.

Nach erfolgreicher Anmeldung erhalten die Kinder ca. eine Woche vor Gruppenbeginn einen Brief, in dem sich die beiden Gruppenleiterinnen vorstellen und zum ersten Gruppentreffen einladen.

Inhalte/Ziele der Gruppenzeit

  • Kennenlernen und in Kontakt gehen
  • Aus einer Familie werden zwei Familien, veränderte Wohn- und Lebensräume, neue Partner der Elternteile und deren Kinder, Anerkennung unterschiedlicher Lebensmodelle
  • Umgang mit und Ausdrucksmöglichkeiten von Gefühlen, sicherer Ort, Selbstregulierung
  • Realistische und unrealistische Wünsche, aussprechbare und unaussprechbare Wünsche im Zusammenhang ihrer derzeitigen Familiensituation
  • Wertschätzung, Ehrung, Würdigung jedes einzelnen Kindes (z.B. „Spielleiter“, „Krönungszeremonie“, „ich mag an dir“ - Karten) und Respekt gegenüber den anderen Kindern und Gruppenleiterinnen
  • Perspektiverweiterung und Empathie
  • Planung und aktive Gestaltung des Abschieds von der Gruppe

Die oben genannten Themen bilden einen relativ lockeren roten Faden für den Ablauf der Gruppenzeit. Der Arbeitsstil ist prozessorientiert, er lässt sich  auf die Kinder ein und reagiert situativ auf das, was die Kinder aktuell an Verhalten zeigen und mitbringen.

Die Gruppenstunden für die Kinder

Um den Kindern Ordnung, Sicherheit und Verlässlichkeit in der Zeit ihrer großen Orientierungslosigkeit zu bieten, laufen die Gruppenstunden stets nach einem ähnlichen Muster ab. Es gibt die Sequenzen Ankommen und Begrüßung im Flur, Ankommen im Gruppenraum auf dem eigenen Platz, Gruppenspiel, thematisches Arbeiten, Pause mit Getränken, Obst und Keksen, um  informelle Kontaktmöglichkeit der Kinder untereinander zu ermöglichen, Spiel oder Wahrnehmungsübungen, Verabschiedung.

Die erste Gruppenstunde

Nach der Begrüßung aller Kinder bereits im Flur wird der vorbereitete Gruppenraum gemeinsam betreten. Er bietet genug Platz, um mit Matten einen großen Stern legen zu können, so dass für jedes Kind ein „kleines Feld“ als eigener Raum auf dem Boden zur Verfügung steht. Dieser Platz ist groß genug zum Sitzen, Liegen, Alleine-sein oder jemanden zu sich einzuladen. Dieser eigene Raum wird in der ersten Stunde intensiv „erkundet“. Seine Grenzen und Begrenzungen, d.h. Länge, Breite, Höhe, vorne – hinten, werden körperlich durch die Bewegungen der Kinder erfahren und mit Stimme und Körpersprache („Halt! Auf meine Matte nicht!“ und/oder „Ich möchte Dich gerne zu mir einladen“) als persönlicher Raum eingenommen.

Jedes Kind sucht sich eine farbige Arbeitsmappe für die zu sammelnden eigenen Materialien aus (Bilder, Texte, Karten, Fotos) und ein farbig dazu passendes Tuch, das in allen folgenden Stunden als persönliches Kennzeichen den eigenen Platz markiert.

Ein Schwerpunkt der Arbeit ist es, den Kindern viel Raum zur Körperwahrnehmung zu bieten. So lernen sie sich selbst zu spüren. Die eigenen Grenzen und Wirksamkeiten und die der anderen Kinder wahrzunehmen und zu respektieren. Das  stärkt ihr Selbstvertrauen und ihre Selbstverantwortung.

Im Bewegungsspiel erfahren die Gruppenleiterinnen  viel über die Kinder und nehmen ihre Fähigkeiten und Ressourcen wahr. In den folgenden Gruppentreffen wird daran methodisch weitergearbeitet.

Die vierte Gruppenstunde

Kinder mit einem hohen Aggressionspotential oder starker Gehemmtheit bzw. Rückzugsverhalten profitieren davon, wenn sie im „Spiel“ die Erlaubnis bekommen zu toben, treten, boxen, schlagen und schreien. Sie dürfen sich dabei als „richtig“ erleben und werden „angefeuert“, noch mehr „Wut“ heraus zu lassen. Gerade bei diesen meist unverstandenen Kindern findet oft ein AHA-Erleben statt. Sie fühlen sich erstmals in ihren Gefühlen ernst- und wahrgenommen.

Das Spiel mit Farben, der Umgang mit dem eigenen Körperschema und Selbstbild, das Gestalten ihrer inneren Bilder mit Legematerialien, Interaktionsspielen, das Weitererzählen von Fantasie- und Trennungsgeschichten sind weitere methodische Elemente.

Mit der Sicherheit der Verschwiegenheit und dem sicheren Beziehungsangebot der Gruppenleiterinnen können die Kinder immer mehr aus der Anspannung des Loyalitätskonfliktes heraus treten. Das Miterleben der Geschichten, Wünsche und Sorgen der mit betroffenen Kinder in der Gruppe ermutigt sie, die eigenen schwierigen Themen zum Ausdruck zu bringen.

  • „Sie streiten ständig um mich, ich fühle mich total zerrissen, am besten,  ich gehe zu keinem von ihnen“.  (Äußerung eines Kindes, nachdem es ein Wutbild gemalt hat.)
  • „Ich will mehr über Mama wissen“ (Ein anderes Kind, nachdem es merkt, dass es beim Gestalten des Familienbildes einen Elternteil „vergessen“ hat.)

Mit den Kindern wird besprochen, welche Wünsche die Gruppenleiterinnen den Eltern im Abschlussgespräch mitteilen sollen und welche sie jetzt auch schon selbst mit ihnen klären können.

Den Kindern ist es wichtig zu wissen, dass ihre Eltern in der Zeit des Gruppenangebotes auch selbst an der Auseinandersetzung ihrer eigenen Trennungsgeschichte arbeiten. Sie fragen ihre Eltern „Gehst du zum Mütter/Väter Treffen?“, „Viele Grüße an ......!“ (gemeint ist die Gruppenleiterin). Von ihrer eigenen Arbeit in der Gruppe erzählen sie meist wenig. Die Eltern melden zurück, dass sie auf ihr Nachfragen kaum Antworten bekommen und merken, dass ihr Kind sich verändert. Die Kinder werden mutiger, deutlicher und präsenter im Umgang mit ihren Geschwistern, Lehrern, später auch gegenüber den Eltern. Das ist nicht immer angenehm, da Auseinandersetzungen und Streit auch zunehmen. Dies zu verstehen, auszuhalten und einen positiven Sinn darin zu sehen, gelingt manchmal erst nach dem Austausch mit den anderen Müttern und Vätern.

Das Müttertreffen und Vätertreffen

Das Angebot ist freiwillig und wird von ca. 2/3 der Eltern angenommen. Das Treffen findet etwa nach der Mitte der Gruppenzeit statt. Beide Elternteile werden dazu schriftlich eingeladen.

Die Treffen sind Gesprächskreise, die von den Teilnehmenden sehr schnell thematisch selbst gestaltet werden und dann von einer der Gruppenleiterinnen nur noch moderiert werden. Sie finden im 14-tägigen Abstand für ca. 2 Stunden statt und geben viel Raum für das eigene Erleben in der Beziehung zu ihren Kindern, dem Unterscheiden von Elternebene und noch unverarbeiteter Paarebene, der eigenen Wut, den Ängsten und Sorgen, Hochs und Tiefs der neuen Partnerschaften.

Die Eltern profitieren vom Kontakt mit Gleichbetroffenen, von ähnlichen und doch unter-schiedlichen Geschichten und Umgangsformen.

Der Elternabend

Das Treffen findet etwa nach der Mitte der Gruppenzeit statt. Beide Elternteile werden dazu schriftlich eingeladen. Er dient ausschließlich der Informationen über die inhaltliche Arbeit mit den Kindern und nicht der Interaktion oder dem Austausch untereinander. Die Eltern bekommen beispielhaft kleine Sequenzen aus der Arbeit vorgestellt, die ihre Kinder geleistet  haben. Z.B. das Ankommen im fremden Raum, Demonstration des „Parcours der Gefühle“, Wertschätzung des eigenen Platzes anhand eines symbolischen Bildes, Vorstellung der Geschichte „Conni's Eltern trennen sich“ usw. Das Ziel ist es, die Eltern ins eigene Erleben zu führen und für das Erleben ihrer Kinder zu sensibilisieren. Über die einzelnen Kinder wird nicht gesprochen.

Das Abschlussgespräch mit den Eltern

Gemeinsam oder getrennt finden am Ende der TSK-Gruppe  Abschlussgespräche statt.

Die Eltern werden nach den Auswirkungen der Gruppe auf die einzelnen Familienmitglieder und insbesondere auf das teilnehmende Kind befragt, was sich zu Hause verändert hat und ob ihre Wünsche für das Kind erreicht wurden.

Die Gruppenleiterinnen berichten von ihren Eindrücken und das, was sie über die Kinder gelernt und verstanden haben: Ihre Stärken und Fähigkeiten, Bewältigungsstrategien und Selbstregulierungsmechanismen, über Autonomiewünsche, Empathiefähigkeit und über die grundsätzliche Akzeptanz von Kindern, sich auf neue Lebensmodelle positiv einzustellen.

Bei Bedarf erhalten Familien die Empfehlung weiterhin Beratungsunterstützung in Anspruch zu nehmen und werden bei der Weitervermittlung unterstützt.

Fazit und Ausblick

Die Kinder profitieren von der TSK-Gruppe. Ihr Fähigkeit, spontan mit Stimmungen und Handlungen auf Situationen zu reagieren und sie noch nicht kognitiv zu kontrollieren, führen im Verlauf der TSK-Gruppe schnell zum Wachstum von Ich-Stärke, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit. Dies gilt es nun auf Dauer in den Familienalltag zu integrieren. Die Kinder brauchen die Unterstützung der Eltern und der neuen Familien.

Für viele Eltern ist die Mitarbeit in der Gruppe der erste Kontakt zu beratender Unterstützung. Sie  erfahren, dass Kooperation und die Anteilnahme an jedem Familienmitglied entlastend wirkt und dass eingefahrene belastende Dynamiken auflösbar sind. Haben sie im Prozess ein Verstehen über ihr Kind und sich selbst wahrnehmen können, so ist Nachhaltigkeit und Integration der positiven Veränderungen am besten möglich.

Elternteile mit neuen Partnern äußern manchmal, dass ihre Partner sich wünschten, für sie gäbe es  auch einen Platz in dem Prozess der Gruppenzeit zur Verfügung. Ich  halte dies als systemisch arbeitende Beraterin natürlich auch für sehr sinnvoll. Die neuen Partner haben eine wichtige Beziehungsfunktion für die Kinder und manchmal auch Anteil daran, wie die Eltern nach der Trennung/Scheidung ihren Kontakt miteinander gestalten.

Autorin:
Bärbel Rapp
Systemische Familientherapeutin (SG)
Schöne Aussicht 40
55583 Bad Münster a. St. / Ebernburg
www.br-systemberatung.de

Literaturtipps

 
Fips versteht die Welt nicht mehr
Randerath Jeanette, Sönnichsen Imke, Wenn Eltern sich trennen, Thienemann-Verlag 2009

Der kleine Dackelterrier Fips ist frech zu seiner Mutter, zieht sich andererseits traurig zurück und will mit den anderen kleinen Hunden nicht mehr spielen. Seine Mutter geht deshalb mit ihm zu Bruno, dem alten erfahrenen Wolfsbernhardiner.

„Seitdem sein Vater und ich uns getrennt haben, macht er mir nur Sorgen“, klagt sie. Und Bruno erzählt Fips eine Geschichte von einem anderen kleinen Hund, der genauso zerrissen zwischen seinen Eltern war wie Fips und trotzdem ein großer starker Hund geworden ist. Denn „er war ja nicht nur ein Teil von seiner Mutter und ein Teil von seinem Vater. Er war auch etwas ganz Eigenes und Besonderes.“ So wird er ermutigt, seine eigene Persönlichkeit zu entdecken und sein Selbstvertrauen zu stärken.

Wenn Eltern sich trennen, löst das bei Kindern viele Ängste aus, ihre Welt gerät aus den Fugen. In diesem Bilderbuch wird auf besonders einfühlsame Weise das innere Erleben dieser betroffenen Kinder zum Ausdruck gebracht. Dass die Geschichte von Jeanette Randerath unter Hunden spielt, gibt ihnen die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, wie weit sie sich identifizieren oder distanzieren wollen.

Die Illustration von Imke Sönnichsen betrachtet man nur zu gern.

Drache Max macht Rabatz
Dunker Kristina, Susanne Smajic, Beltz & Gelberg 2009

Drache Max nervt – die Mitschüler, den Lehrer, die Mama und den Papa. Er ist vorlaut, frech und faul, hat kein weiches Fell, beißt, kratzt und speit Feuer. Kurz: kein anderes Tier will etwas mit ihm zu tun haben. Und dann kommt noch ein Schulverweis hinzu. Mama Drache schickt Max deshalb zu Doktor Rabe, dem Seelenspezialisten.

Es ist eine lange Geschichte, die Kristina Dunker in Reime gesetzt hat: Max entdeckt, dass es noch andere Tiere gibt, die mit ihren Problemen zu Doktor Rabe kommen. Von ihm fühlt er sich ernst genommen mit seinem Zorn auf den Papa. Dieser hat ihn verlassen und ist mit einer neuen Lebensgefährtin zusammengezogen. Er schließt mit der schüchternen Häsin Hanna Freundschaft und erlebt, dass die Eltern sich zusammenfinden und besprechen, wie es möglich ist,  dass Max wieder in die Schule gehen darf.

Die Illustrationen von Susanne Smajic sind sparsam, aber sehr lebendig – es bleibt viel Raum, sich das Geschehen selbst vorzustellen.

Kinder, deren Eltern sich getrennt haben und kaum miteinander kommunizieren, reagieren oftmals mit Aggressionen – eben wie Drache Max – und für sie kann diese Geschichte eine Möglichkeit sein, sich mit den eigenen Gefühlen auseinander zu setzen. Die Angst vor dem Therapeuten kann sie allemal nehmen.

Adelheid Payer-Pechan


Die Familie in Gegenwart und Zukunft
- Positionen, Provokationen, Prognosen -

Martin R. Textor, Books on Demand, Norderstedt 2009

Martin R. Textor hat in seinem kleinen Büchlein (mit Quellenangaben 96 Seiten) Forschungsergebnisse zu Mutter- und Vaterschaft, Kindheit, Familie und Arbeitswelten zusammengetragen. Er hat die Daten analysiert und miteinander verknüpft. Somit erhalten wir ein umfangreiches Bild unserer Gesellschaft, wie sie momentan gelebt wird. Und er betrachtet all die Daten auch politisch und zukunftsorientiert und stellt provokante Thesen auf.

Beim Lesen hatte ich viele Aha-Erlebnisse: vieles nehme ich ständig in meiner nächsten Umgebung wahr.

Zum Beispiel, dass heutzutage Kind zu sein sehr anstrengend ist. Elternblick konzentriert sich nur noch auf dieses eine Kind,  Kindheit heute findet fast nur noch in einem pädagogisch besetzten Raum (Krippe, Kindergarten, Schule, Kurse nach Schule: Sport, Musik usw.) statt. Kinder heute werden total überwacht (teilweise sogar über Mobiltelefone) und haben durch all das keinen Raum mehr für individuelle Entwicklung (keine Möglichkeiten zu freiem Spielen in unbeobachtetem Raum, d.h. es gibt keine kindliche Freiheit mehr und Entwicklung zu einem selbstbewussten und frei denkendem Erwachsenen ist nicht möglich). Es bedeutet, dass Kinder gleichgeschaltet werden: Kinder, die nicht ins vorgegebene Muster passen, werden aussortiert. Somit haben wir den „…Sozialismus im Herzen der bürgerlichen Welt“ um mit M. Textor zu reden.

Familien haben so unendlich viel Möglichkeiten der Information (über die modernen Medien) und dadurch auch Wahlfreiheiten. Das überfordert uns total. Wir Eltern haben keine Zeit mehr für unser Kind durch Überstunden, Zweit-Job, Schichtarbeit usw. Wir trauen uns auch nicht, uns diese Zeit zu nehmen bzw. sie einzufordern, da wir uns bedroht fühlen durch Arbeitslosigkeit, Armut, soziales Abrutschen etc.

Irgendwie läuft es im Familiären/Privaten total verkehrt rum. Wir Eltern werden zu Kindern: Unsere Kinder sollen uns Lebenssinn geben, unsere emotionalen Bedürfnisse befriedigen, sind von unseren Launen abhängig. D.h. doch wohl, wir sind nicht wirklich Eltern für unsere Kinder! Wir nehmen unsere Rolle als Eltern nicht ein! Eltern gehen auf eine Partnerebene mit ihren Kindern. Eltern übernehmen  nur noch Betreuungsaufgaben wie Waschen, Essen kochen o.ä. Elternarbeit an ihren Kindern wird delegiert (Kindergarten usw.)

Es ist nicht verwunderlich, dass  die Schwere und Häufigkeit von psychischen Störungen bei Kindern und Eltern weiter wachsen.

Die Lektüre des gut recherchierten und spannend geschriebenen Buches hat mich erschüttert. Sie hat mir aber auch gezeigt, dass alle, die mit Kindern und Familien arbeiten, sich gegen diese Entwicklungen wehren müssen, damit Textors beschriebene Szenarien nicht vollends Wirklichkeit werden.

Monika Tack


Rundbrief 1-2009

Der Start in eine neue Paarbeziehung nach Trennung und Scheidung ist nicht einfach. Alle, die eine solche Situation bereits einmal erlebt haben, wissen um die Ängste und die Unsicherheiten aber auch das Glück und die Hoffnungen eines solchen Vorhabens.

Vor allem allein erziehende Mütter mit Kind/ern haben es schwer, wenn sie sich entscheiden, mit einem neuen Partner wieder eine feste Paarbeziehung einzugehen, und so den ersten Schritt auf dem Weg zu einer Stief- oder Patchworkfamilie wagen.

Dazu der folgende Bericht. Wir haben ihn beim Verband Alleinerziehender Mütter und Väter, Ortsverband Frankfurt am Main, gefunden, der uns den Artikel freundlicherweise überlassen hat.

Rundbrief 3-2008

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vor Ihnen liegt die letzte Ausgabe unseres Rundbriefes, der im neuen Jahr nicht mehr in Papierform, sondern nur noch als Infobrief über unsere
Homepage www.stieffamilien.de zu beziehen sein wird.

Ende diesen Jahres schließt auch das Büro unserer Geschäftsstelle in Obertshausen, da unsere „Frontfrau“ Monika Tack in Vorruhestand
geht. Trotz intensiven Suchens ist es uns nicht gelungen, junge aktive Nachfolgerinnen oder Nachfolger zu finden, die bereit waren, zweimal
pro Woche den bisherigen Telefondienst und die umfangreiche Büro- und Verwaltungstätigkeit weiterzuführen.

Sehr froh sind wir jedoch über den gelungenen Um- und Ausbau unserer Stiefhomepage zu einem interaktiven Community-Portal. Dieses wird seit Frühjahr 2008 intensiv von Betroffenen, Fachkräften, den Medien u.a. genutzt, wie unsere Statistiken belegen. Insbesondere die neuen
Themenforen, die aktuellen Rechtsinformationen und der aktualisierte Rechtsratgeber, aber auch die Literaturliste, die Statistik und unsere Rundbriefe werden oft aufgerufen.

Die Umgestaltung der Homepage verdanken wir einem engagierten Stiefvater, der das Konzept für das Communitiy-Portal im Rahmen einer Diplomarbeit in Absprache mit der Geschäftsstelle erstellte, umsetzte und seit Frühjahr 2008 gemeinsam mit den RedakteurInnen auch betreut.

Da es uns wichtig ist, dass die Unterstützung von Stieffamilien auch nach der Schließung des Büros in kleinerem Umfang weitergeführt wird, haben wir in Absprache mit dem Bundesfamilienministerium vereinbart, dass Teile unserer Informations- und Beratungsarbeit im kommenden Jahr von der Bundesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen (BAGE) fortgeführt werden: Herrn Hannes Lachenmair erreichen Sie in seinem Büro in München immer donnerstags in der Zeit von 15.00 bis 17.00 Uhr unter der Rufnummer 089 – 961 60 60 60.

Auch wenn das neue Medium Homepage vieles bündelt, vereinfacht und den Zugang erleichtert, ist uns das persönliche Gespräch und die qualifizierte individuelle Beratung weiterhin wichtig. Deshalb können Sie uns auch im neuen Jahr unter der alten Rufnummer 06104 – 40 79 70 immer montags 19.00 - 20.00 Uhr und mittwochs von 10.00 -11.00 Uhr telefonisch erreichen. Oder Sie schreiben an unsere neue
Postanschrift: Seligenstädter Strasse 74-76, 63179 Oberts hausen.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien fröhliche Weihnachtstage und ein gesundes und zufriedenes Neues Jahr.

Danken möchten wir allen, die viele Jahre unsere Arbeit mit Interesse verfolgt haben, und insbesondere denen, die uns gefördert, unterstützt und begleitet haben.

Nicht ohne Stolz blicken wir auf einige bemerkenswerte Verbesserungen, die wir gemeinsam mit Ihnen in den letzten 20 Jahren für Mitglieder
von Stief- und Patchworkfamilien erreichen konnten.

Ihre
Ilse Rapp, Monika Tack,
Karin Menje,
Adelheid Payer-Pechan

Erfahrungsbericht aus der Stiefmütter - Selbsthilfegruppe Frankfurt,
die jetzt ihre Arbeit eingestellt hat:

„Nach fast zehn Jahren regelmäßiger Stiefmütter-Treffen in den Räumen der Ev. Familienbildung in Frankfurt-Sachsenhausen hat sich unsere Gruppe in diesem Jahr aufgelöst. In fast allen Fällen sind die Stiefkinder inzwischen erwachsen, wohnen meistens nicht mehr zuhause. Die damit verbundenen Probleme haben sich erledigt oder verschoben auf andere Lebensbereiche.

Da auch nur noch wenige neue Stiefmütter die Unterstützung unserer Gruppe suchten, haben wir beschlossen, die Selbsthilfegruppe zu beenden und uns jetzt als Frauengruppe alle zwei Monate in privatem Rahmen zu treffen, denn wir sind durch die gemeinsamen Erfahrungen und den Austausch nach wie vor verbunden.

Die Stiefsituation hat mich sehr geprägt in den letzten Jahren. Es gab viele tausend Situationen, in denen ich mir so hilflos vorkam, und um dem Image einer bösen Stiefmutter entgegenzuwirken, wollte ich natürlich erst recht alles ‘richtig’ machen.

In der Stiefmüttergruppe habe ich immer wieder Halt in schwierigen Situationen gefunden. Ich war immer ungemein beruhigt, dass es anderen genauso ging wie mir, dieses ‘Nachfühlen können’ war sehr spürbar. Ich fühlte mich immer gut verstanden und angenommen. Beeindruckend war, dass oft ein Thema in den verschiedenen Stieffamilien zum gleichen Zeitpunkt aktuell war. Ich habe nicht nur wertvolle Hinweise für die
eigenen Probleme erhalten, sondern auch mal Tipps in Bezug auf finanzielle Regelungen, wie z.B. Unterhaltszahlungen oder den Umgang mit
den Expartnerinnen.

Meine eigenen Erfahrungen als Stiefmutter und Mutter haben gezeigt, dass doch für mich ein Unterschied zwischen eigenen und Stiefkindern
spürbar gewesen ist. Es ist etwas anderes, ob das eigene oder das Stiefkind einen als ‘böse’ bezeichnet oder sagt: ‚Ich hasse Dich‘ oder: ‚Ich
zieh aus, wenn ich etwas größer bin‘. Beim eigenen Kind geht es einem viel tiefer ins Herz. Dagegen setzt man oft das eigene Kind, das
weniger verhaltensauffällig als das Stiefkind ist, hintendran, was eigentlich der falsche Weg ist.

Eine Gemeinsamkeit ist in vielen Stieffamilien, dass die leiblichen Väter oft handlungsunfähig und durch Schuldgefühle viel zu nachgiebig
waren, und im Grunde genommen keine Verantwortung übernehmen wollten, was im Extremfall dazu führt, dass man als Stiefmutter hintergangen wird. Ein Beispiel: Obwohl eine klare Taschengeldregelung besteht für alle Kinder, die im gemeinsamen Haushalt wohnen, steckt der Vater einem seiner leiblichen Kinder hinter dem Rücken der Stiefmutter zusätzlich Geld zu.

Im Nachhinein sehe ich, dass viele von uns Frauen ein enormes Maß an Engagement und psychologischem Wissen in all den Jahren aufgebaut
haben. Durch die ‘Stief’-Erfahrung (Problematik) hat man ein ganz anderes Gefühl für menschliches Verhalten. Ein Satz ist mir ganz intensiv im Gedächtnis hängengeblieben. Ich hatte meine Stieftochter mal gefragt, was ich denn als Stiefmutter falsch gemacht hätte und
sie hat mir geantwortet: Nichts, Du hast alles richtig gemacht, aber genau das ist das Problem, weil ich mir das immer von meiner leiblichen
Mutter gewünscht habe.

Meine eigene Beziehung ist leider in die Brüche gegangen. Gerade weil ich so unendlich viel Energie in die Beziehung und die Erziehung aller
Kinder gesteckt habe, fühlt sich das manchmal sehr ungerecht an. Erstaunlicherweise suchen die Stiefkinder auch nach der Trennung noch den
Kontakt zu mir.

Allen Stiefmüttern ist zu wünschen, dass ihre Männer sich am entscheidenden Punkt für sie und eine gemeinsame Zukunft entscheiden – und nicht dagegen. Dennoch möchte ich, wie die meisten Stiefmütter, die Zeit mit den Stiefkindern nicht missen, es gab auch wundervolle Stunden und Tage.

Wir haben der Selbsthilfegruppe und der BAG SHG Stieffamilien sehr viel zu verdanken. In manchen Fällen wäre es ohne die Unterstützung
der Gruppe sicher zur Trennung gekommen. Vor allem danken wir den Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle, die uns mit Seminaren, liebevollem Verständnis und mit Rat und Tat unterstützt haben.“
M.H.

Rechtsinformationen

Bundessozialgericht bestätigt geltende Regelung bei Hartz IV!
Stiefeltern müssen finanziell für ihre Stiefkinder in vollem Umfang einstehen.

Bislang nur als Presseerklärung vorliegend hat das Bundessozialgericht im Verfahren B 14 AS 2/08 am 13. November 2008 entschieden, dass
§ 9 Absatz 2 Satz 2 SGB II verfassungsgemäß ist.

Dies bedeutet, dass die volle Anrechnung des Stiefelterneinkommens bei der Beurteilung der Bedürftigkeit eines Kindes im Rahmen des SGB
II rechtmäßig ist. Befremdlich ist die Begründung, die das Gericht heranzieht, da diese erkennen lässt, dass die Tragweite der Neuregelung übersehen wurde. Die Richter argumentieren, nichteheliche Partnerschaften dürften nicht besser gestellt werden als Stieffamilien, in denen die Partner verheiratet seien und bei denen § 9 Absatz 5 SGB II eine Unterstützung des Stiefkindes vermute.

Dass seit der Neuregelung vom 01.08.2006 auch für diese ehelichen Stieffamilien nicht mehr § 9 Absatz 5 gilt, sondern Absatz 2 mit der Folge, dass die relativ hohen Freibeträge aus Absatz 5 bei der Ermittlung der Leistungsfähigkeit des Stiefelternteils entfallen sind, blieb offenbar unbemerkt, zumindest aber unberücksichtigt. Die laut Gericht erstrebenswerte „Angleichung“ erfolgte letztlich zum Nachteil der  verheirateten Stieffamilien.

Deutliche Worte hingegen fand das Gericht für das schwierige Verhältnis von Sozialrecht und Unterhaltsrecht des BGB, indem ausgeführt wird,
dass sich das SGB II „insgesamt vom zivilrechtlichen Unterhaltsrecht gelöst“ hat mit dem Ziel, das SGB II als „letztes soziales Auffangnetz“ zu etablieren.

Dass für dieses soziale Auffangnetz nun vorrangig Stiefeltern herhalten sollen, ist vor allem auch deswegen unbefriedigend, weil die  Inanspruchnahme der unterhaltsverpflichteten leiblichen Eltern von Seiten der Behörden und Gerichte nicht mit der gleichen Konsequenz
betrieben wird.

Änderung des Beratungshilferechts

Seit dem 20.11.2008 liegt der Gesetzentwurf des Bundesrats zur Änderung des Beratungshilferechts vor. Hierdurch werden die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme von Beratungshilfe deutlich verschärft. Beratungshilfe gewährt bei Bedürftigkeit die Übernahme der Kosten der Inanspruchnahme eines Rechtsanwalts bei außergerichtlichen Rechtsfällen (im Gegensatz zur Prozesskostenhilfe bei gerichtlichen Streitigkeiten). Künftig wird unterschieden zwischen bloßer „Beratung“ und „Vertretung“ durch einen Anwalt. Eine nachträgliche Bewilligung der Beratungshilfe bei Inanspruchnahme eines Anwalts wird nicht mehr möglich sein. Die Eigenbeteiligung des Mandanten steigt auf 30,00 Euro, sofern Beratung und Vertretung in Anspruch genommen werden (bisher 10,00 Euro Eigenanteil). Außerdem steht zu erwarten, dass  Hilfesuchende künftig verstärkt auf die so genannten „anderen Stellen“ verwiesen werden, die Rechtsberatung gewähren. Hier wird es Listen geben, die diese Beratungsstellen für das jeweilige Bundesland aufzeigen. Die Möglichkeiten, sich als bedürftiger Rechtssuchender durch einen Anwalt seiner Wahl beraten und vertreten zu lassen, werden damit deutlich beschnitten. Wann die Änderungen in Kraft treten, ist bislang noch nicht bekannt.

Dr. Susanne von Puttkamer,
RA und Mediatorin, Jena


Lesetipps

Begleiteter Umgang von Kindern - Ein Handbuch für die Praxis
W.E. Fthenakis (Hrsg.), Verlag C.H. Beck,
München 2008

Mit diesem Handbuch liegen Ergebnisse eines mehrjährigen Forschungs- und Interventionsprojektes vor, das unter der Leitung des  renommierten Familienforschers Prof. Dr. Dr. Dr. W.E. Fthenakis im Staatsinstitut für Frühpädagogik, München, und im Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung an der Universität Potsdam durchgeführt wurde in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Praktikern aus verschiedenen Berufsgruppen.

Unter Einbeziehung von internationaler Forschung und Praxis wurde intensiv der Problematik nachgegangen, in welchen Fällen und
unter welchen Bedingungen helfende Maßnahmen von dritter Seite ein Kind darin unterstützen können, trotz Trennung oder Scheidung der
Eltern einen Kontakt zu beiden Eltern anzubahnen, wiederherzustellen oder aufrechtzuerhalten, falls (aus vielfältigen Gründen) ein Umgang nicht möglich erscheint oder ohne Hilfe ein Kontaktabbruch droht.

Das Handbuch bietet eine kritische Reflexion von Modellen im In- und Ausland über den begleiteten Umgang und über den Forschungsstand und es stellt einen allgemeinen Praxisleitfaden für Institutionen zur Verfügung im Sinne einer Qualitätssicherung (Standards in Deutschland) für diese gesetzlich verankerte Hilfeform. Diese Standards sind im Rahmen des Projektes entwickelt worden.

Speziell für alle diejenigen, die beruflich mit dem Thema begleiteter Umgang im Zusammenhang von Trennung/Scheidung befasst sind, enthält das Fachbuch neben der Empirie auch eine Fülle von Literaturhinweisen und Analysen zur Vertiefung eigenen Wissens und Verwertung in der konkreten Arbeit.

Brigitte Gugerel,
RA und Fachanwältin für Familienrecht, Darmstadt

Neue Wege entdecken – Praxisbeispiele für den Umgang mit dem Umgang
Autoren: Edith Weiser, Geschäftsführerin VAMV LV NRW e.V. und
Edmund Faust, Vätergruppe Kassel e.V. (Psychotherapeut)
Herausgeber: Verband alleinerziehender Mütter und Väter Landesverband NRW e.V. 2007

Nicht immer gelingt es Eltern, nach einer Trennung oder Scheidung sich zum Wohle ihrer Kinder weiterhin zu verständigen und im Interesse
der Kinder zu handeln. Die Erfahrung in der Praxis zeigt, dass es großen Informations- und Beratungsbedarf gibt, dem diese Broschüre Rechnung tragen will. Die Texte für die unterschiedlichen Zielgruppen – Elternteile, die mit ihren Kindern zusammenleben bzw. nicht  zusammenleben – sind inhaltlich und optisch unterschiedlich gestaltet. Sie laufen auf einander zu und treffen sich in der Mitte, bei den Wünschen der Kinder.

In knapper Form fassen die Autoren der Broschüre die verschiedenen Problemfelder zusammen und ergänzen sie mit, teils kommentierten,
Erfahrungsberichten von Eltern, die auf unterschiedliche Weise dieses oder jenes Problem für sich und ihre Kinder gelöst haben. So
schildern z.B. Väter und Mütter, wie sie Wege verlassen konnten, die nicht zum Ziel führten, wie sie an einem Interessenausgleich gearbeitet und Vertrauen aufgebaut haben. Wie sie ihre eigenen Möglichkeiten entdeckt und ihr eigenes Wohlbefinden gestaltet haben oder gelernt haben, die Hoffnung nicht aufzugeben und Geduld mit sich und dem anderen Elternteil zu haben. Die Berichte sprechen für sich: Es lohnt sich, Rat und Beratung anzunehmen. Es lohnt sich, sich mit sich selbst und den eigenen Bedürfnissen auseinander zu setzen, denn nur so können alle Beteiligten ihren Kindern dabei helfen, die Trennungskrise zu überstehen.

Adelheid Payer-Pechan

Selbsthilfegruppen Stieffamilien gibt es in:

Aachen, Augsburg, Bamberg, Berlin, Berlin-Zehlendorf, Bonn, Darmstadt, Detmold, Diessen am Ammersee, Dresden, Erlangen, Essen, Friedberg, Friedland, Heidenheim, Kammeltal-Wettenhausen, Karlsruhe, Kassel, Koblenz, Leinfelden-Oberaichen, Ludwigsburg, Mülheim,
München, Münster, Neustadt/Weinstr., Nümbrecht, Nürnberg, Oldenburg, Regensburg, Rendsburg, Schleswig, Seefeld, Stuttgart, Tübingen, Villingen, Wiesbaden und in den Niederlanden, in Österreich sowie in der Schweiz.

Impressum

Rundbrief 2-2008

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„Wie wir Kinder in eine neue Familienkonstellation begleiten können und was Kinder brauchen“ war Schwerpunkt des Vortrages von
Gerhard Bliersbach, Dipl. Psychologe, psychoanalytischer Therapeut und selbst seit vielen Jahren Stiefvater, bei der diesjährigen Fachtagung für
Stieffamilien im Juni in der Evangelischen Akademie Bad Boll.

Weitere Kooperationspartner der Tagung waren das Frauen- und Männerwerk der evangelischen Kirche Württembergs.

Die Trennung bzw. Scheidung der Eltern stürzt Kinder und Jugendliche in ein schweres Gefühlschaos von Verunsicherung, Angst und Desillusionierung.

Rundbrief 1-2008

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die erste Ausgabe unseres Rundbriefes informiert Sie über neueste

Rechtsentwicklungen zu ALG II und zum Erbrecht und stellt Ihnen wieder

drei interessante Bücher vor. Besonders hinweisen möchten wir auf die

Wochenendtagung am 7. und 8. Juni 2008 in der Evangelischen Akademie

Bad Boll zum Thema: Stiefgeschwister, Halbgeschwister und Co.- Wie geht

es den Kindern bei Trennung und Scheidung? Gerhard Bliersbach wird als

Hauptreferent teilnehmen. Er ist Psychotherapeut und Autor des Buches

„Leben in Patchworkfamilien“, auf das wir bei den Lesetips hinweisen.

Rundbrief 3-2007

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

am 1.1.2008 tritt das neue Unterhaltsrecht in Kraft. Es hebt endlich die Benachteiligung von Ehepartnern in Zweit- bzw. Stieffamilien auf. Die
Änderung von Unterhaltstiteln kann bei einigen Stieffamilien die finanzielle Situation verbessern. Durch den Vorrang des
Kindesunterhaltes im Mangelfall kann jedoch der Kuchen für alle Beteiligten kleiner werden, da das geltende Steuerrecht keine
Absetzbarkeit des Kindesunterhaltes vorsieht. Lesen Sie dazu unsere Rechtsinformationen.

Der zweite Teil der Sozialgeschichte der Familie ist weiterer Schwerpunkt in diesem Rundbrief. Dabei überrascht die zunehmende Entwicklung der Vielfalt von Familienformen seit Ende der 1960er Jahre. Außerdem zeigt sich in den letzten Jahrzehnten ein wachsender Druck, ausgelöst durch den wirtschaftlichen und sozialen Wandel, dem Paare und Kinder mehr und mehr unterworfen sind.

Rundbrief 2-2007

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

unter dem Tagungstitel „Woher - wohin? Patchworkfamilien
und ihre Familiengeschichte(n)“ fand am
16. und 17. Juni wieder ein Wochenende für Mitglieder
aus Stieffamilien in der Ev. Akademie in Bad
Boll statt. Ein Vortrag beschäftigte sich mit der
Frage, welche Bilder von Familie und Paarbeziehungen
in unserer Gesellschaft vorherrschen und wie
diese sich im Laufe der Geschichte vom Mittelalter
bis heute entwickelt haben. Eine gekürzte Fassung
dieses Beitrages von Ilse Rapp, Mitarbeiterin der
BAG SHG Stieffamilien, drucken wir in zwei Folgen
in diesem und im nächsten Rundbrief ab.
Im Rechtsteil finden Sie auch den aktuellen Stand
zur gestoppten Reform des Unterhaltsrechtes und
erste Anregungen zum wichtigenThema „Erben
undVererben in Stieffamilien“.

Rundbrief 1-2007

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wir berichten für Sie ausführlich von der Stiefelterntagung 2006 in der Evangelischen Akademie Bad Boll, die wir gemeinsam mit dem Evangelischen Frauen-und Männerwerk Württemberg durchgeführt haben. Zugleich laden wir Sie ganz herzlich zur diesjährigen Stiefelterntagung nach Bad Boll ein. Unter dem Titel „Woher - Wohin? Patchworkfamilien und ihre Familiengeschichte(n)“ wollen wir uns am 16. und 17. Juni intensiver mit den individuellen Prägungen und den Geschichten unserer Herkunfts- und Erstfamilien beschäftigen. Gerade für Stief- oder Patchworkfamilien besteht die größte Herausforderung darin, unterschiedliche Familiensysteme, Traditionen und Kulturen bewusst wahrzunehmen und in die neue Familie zu integrieren. Gelingt das nicht, leiden die neue Paarbeziehung und insbesondere die Kinder sehr darunter. Lesen Sie dazu unsere drei Lesetipps für Kinder. Wir freuen uns, Ihnen auch über erste Lichtblicke für Stieffamilien in Bedarfsgemeinschaften berichten zu können. Die Sozialgerichte Berlin und Düsseldorf halten die uneingeschränkte Einstandspflicht von Stiefeltern für ihre Stiefkinder für verfassungswidrig und lassen dies gerade prüfen. Mehr dazu in unseren Rechtsinformationen.

Inhalt abgleichen